Pioneer A DuPont Business
Germany | Select Your Location >

 

Hagelschäden an jungen Maispflanzen

 

In den letzten Jahren haben die Hagelschauer merklich zugenommen. Treffen unterkühlte, wasserreiche Wolken plötzlich auf warme Luft, kondensiert Wasser an kleinen Staubteilchen in den niedrigeren Schichten. Werden die Wassertröpfchen mit Aufwinden in die höheren Schichten transportiert, verbinden sie sich dort mit Eiskristallen, gefrieren und fallen wieder ab. Dabei nehmen sie weitere Wassertröpfchen auf. Mit den Aufwinden steigen sie erneut auf und die zusätzlichen Wassertröpfchen gefrieren ebenfalls. Dieses „Fahrstuhlfahren“ geschieht so lange, wie die Aufwinde die Hagelkörner anheben können. Dann fallen die Körner herunter. Ihre Größe und Fallgeschwindigkeit kann sehr unterschiedlich sein. Sie bestimmen den Schaden, den sie auf der Erdoberfläche anrichten können. Bei den Maispflanzen hängt der Schaden im großen Maße auch vom Wachstumsstadium ab.
 
 

Die Symptome 
Hagelschaden ist an geschlitzten bis stark zerfetzten Blättern erkennbar (Durchschlag genannt). Auf Blatt oder Stängel können bei leichtem Schaden helle Punkte mit totem Gewebe erkennbar sein (Anschlag genannt; Abb.2). Verletzte Blätter können die nachfolgenden am Entfalten behindern. So kann es zur Peitschenbildung kommen. Die übrigen, zerfetzten Blattreste oder Anschläge zeigen dann den Hagelschaden an.
 
 
Abb. 1: Zerfetzte Pflanzen nach Hagel    Abb. 2: Abgestorbenes Gewebe nach Hagelschlag 
 
  
Der Schaden 

Bis zum 4-Blattstadium liegt der Vegetationkegel geschützt unter der Erdoberfläche. Von dort wachsen nach einem starken Schaden, neue, unverletzte Blätter. Der Schaden wird zügig überwachsen und es kommt zu keinen Ertragsverlusten. Ungefähr mit dem 5.Blatt tritt auch der Vegetationskegel aus der Bodenoberfläche hinaus. Wird er durch starken Hagel verletzt, stirbt er ab und die Pflanze erholt sich nicht mehr. Dieser Fall tritt sehr selten ein. Es ist daher wichtig, das Wachstumsstadium der  Maispflanzen zum Hagelschlag genau zu bestimmen. Meistens wird der Hagelschaden überschätzt. Geschlitzte Blätter bleiben in der Regel grün und assimilieren weiter. Am wichtigsten für die Ertragsbildung sind die Blätter ab Kolben aufwärts. Verluste von den unteren Blättern wirken sich demnach weniger auf den Ertrag aus. Im 3 bis 7-Blattstadium wird das unterste Blatt beim Schätzen der Hagelversicherer nicht berücksichtigt, im 8 bis 11-Blattstadium die untersten beiden Blätter. Die schlimmsten Auswirkungen von Hagel sind völlig abgeschlagene Blätter, ein zerstörter Vegetationskegel oder Knickungen und Brüche des Stängels unterhalb des Vegetationskegels. Dann ist der Bestand vernichtet (Abb.1).

Bei einem mittleren Schaden sollte zunächst sofort das Wachstumsstadium bestimmt werden. Nach ein paar Tagen kann anhand von nachwachsendem, grünen Gewebe festgestellt werden, ob die Pflanzen überleben. Bei gutem Wetter bilden gesunde Pflanzen alle 2-3 Tage ein neues Blatt aus. Bei der Bonitur eines Hagelschadens sollte immer das gesamte Feld begutachtet werden. 


  
  Ab. 3: Grünes Gewebe entspringt dem Vegetationskegel. Diese Pflanze erholt sich
  Abb. 4: Weiches, wässriges oder schon braunes Gewebe zeigt zerstörte Zellen an.
Diese Pflanze stirbt ab

 
Tabelle 1: Geschätzter Kornertragsverlust aufgrund von Blattflächenverlust zu verschiedenen Wachstumsstadien
 Wachstumsstadium   Anteil der zerstörten Blattfläche 
   20  30   40  50  60  70   80   90   100 
    7 Blätter   0  0  1  2  4  5  6  8  9
    8 Blätter   0  0  1  3  5  6  7  9  11
    9 Blätter  0  2  4  6  8  9  11  14  16
  12 Blätter  1  3  5  9  11  15  18  23  28
  14 Blätter   2  4  8  13  17  22  28  36  44
  16 Blätter   3  6  11  18  23  31  40  49  61
  18 Blätter  5  9  15  24  33  44  56  69  84
   Mit Rispe  7  13  21  31  42  55  68  83  100
Quelle: USA, National Hail Insurance Association 
 
Bei einem schweren Schaden muss die Anzahl der lebenden Pflanzen und ihre Uniformität (gleicher Entwicklungsstand) festgestellt werden. Anhand dieser Zahlen wird der Ertrag geschätzt. Bis zum 7-Blattstadium kann der Mais Fehlstellen im Bestand in gewissen Maßen ausgleichen. Schwache, stark geschädigte und trotzdem weiter wachsende Pflanzen bringen kaum Ertrag. Sie wirken sich jedoch negativer auf den Gesamtertrag als früh entstandene Lücken aus. Manche Sorten bringen auch mit etwas niedrigeren Bestandesdichten noch gute Erträge.
 
Das Ertragspotenzial der Neuansaat hängt vor allem von dem Aussaatdatum, der gewählten Sorte und dem Standort ab. Ein Problem ist auch die höhere Anfälligkeit für Sommertrockenheit oder das vermehrte Auftreten von Krankheiten oder Schädlingen von später gelegtem Mais. Eventuell sind bei späten Saaten die Trocknungskosten von Körnermais höher oder es tritt ein früher Frost ein, welcher den Mais vor der physiologischen Reife schädigt. Die Tabelle 2 gibt eine grobe Richtlinie.
    
Die Bestandesdichte ermitteln: Bei 75 cm Reihenweite zwischen 2 Reihen 13.33 m abstecken und links und rechts die Pflanzen zählen. Der Mittelwert geteilt durch 10 ergibt die Pflanzenzahl pro Quadratmeter. Das Ganze mehrfach wiederholen.

 
Ein Umbruch oder eine Neuansaat lohne sich nur, wenn der zu erwartende Mehrertrag mehr als die Kosten des Umbruchs und der Neuansaat deckt.
  

Tabelle 2: Geschätzter Kornertrag in Prozent in Abhängigkeit von Bestandesdichte und Aussaatdatum

Aussaatdatum  Bestandesdichte (Pflanzen pro Quadratmeter) 
  2,5  3,7   4,9  6,2  7,4  8,7  9,9  
  Prozentanteil vom maximal möglichen Ertrag: 
 25. April 57 70 81 91 97 100 100
 30. April 57 70 80 90 96 99 99
   5. Mai 57 69 79 89 94 97 96
 10. Mai 56 68 77 86 92 94 93
 15. Mai 54 66 75 84 89 91 90
 20. Mai 52 64 73 81 86 88 87
 25. Mai 51 63 71 79 84 86 84
 30. Mai 49 61 69 77 82 83 81
   4. Juni 45 56 64 72 76 77 75
   9. Juni 40 51 59 66 70 71 69
 14. Juni 36 47 54 61 64 65 63
 19. Juni 32 42 49 56 59 59 57
Quelle: Interpolierte Daten der Universität von Illinois und der Universität von Minnesota* 

 

Bei späterer Aussaat sollte eine Sorte ausgewählt werden, welche eine frühere Reife hat. Diese besitzt zwar in der Regel ein geringeres Ertragspotential, wird jedoch im Herbst sicherer reif. Eine sehr gute Toleranz gegen Blattkrankheiten und Stängelfäule sollte die Sorte ebenfalls mitbringen. Ist eine späte Aussaat ab Ende Mai bis Mitte Juni nicht zu vermeiden, sind speziell für die Spätsaat geeignete Sorten zu empfehlen.  
  
 
Literatur: www.vereinigte-hagel.net
* Interpolierte Ertragsdaten von Bestandesdichteversuchen der Universität von Illinois (E. Nafziger, E. Adee und L. Paul) und von Saatzeitenversuchen der Universität von Minnesota (Hicks et al.).
 
 

Artikel als pdf-Datei (PDF 298 KB)

 

Last Modified:4. Februar 2016
F0E38FAF-B7F3-EA3A-10F1-7799D208AD31