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Wie verhindert man Nacherwärmung in Maissilage

 

In Deutschland werden jährlich große Mengen Silomais angebaut, die genug Futterenergie lieferen, um theoretisch etwa 80% der deutschen Milchproduktion zu ermöglichen, wenn Silomais ausschließlich an Milchkühe gefüttert würde. Die Bedeutung von Silomais für die Grundfutterversorgung wird damit deutlich.

Silomais liefert viel Energie und weniger Eiweiß und ergänzt sich deshalb hervorragend mit Gras, das häufig einen Eiweißüberschuss besitzt. Silomais hat auch deshalb eine solch wichtige Stellung, weil die Energiegehalte relativ stabil sind und der Erntevorgang weniger wetterabhängig als bei Gras ist.

 

Bis zu 40% Verluste durch Nacherwärmung

Die Herstellung von Maissilage birgt jedoch Risiken, die vor allem im Siliermanagement liegen. Das hohe Potential für die Erzeugung von Milch kann durch Silierverluste erheblich gemindert werden. Die Nacherwärmung ist der Hauptgrund für Verluste. Sie wird maßgeblich durch die Aktivität von unerwünschten Hefen in der Silage verursacht, die nach Anschnitt des Silos die konservierende Milchsäure abbauen. Dadurch steigen pH-Wert und Temperatur. Es entstehen Verluste in der Größenordnung von bis zu 40%, besonders in den äußeren Schichten, so dass der Futterwert der Silage erheblich reduziert werden kann. Vor allem durch eine gute Siliertechnik, d.h. optimale Verdichtung und richtige Abdeckung, kann das Nacherwärmungsrisiko deutlich minimiert werden.

  

Ausreichende Verdichtung in Maissilage wird häufig nicht erreicht

Die Entwicklung der Hefen und der nachfolgenden Schimmel hängt von der Verfügbarkeit des Sauerstoffs ab, den sie für ihr Wachstum benötigen. Mängel in der Verdichtung machen sich erst nach dem Öffnen des Siloblocks bemerkbar. Die Anschnittfläche ist dann permanent der Luft ausgesetzt. Sauerstoff kann in den Siloblock eindringen und zwar umso stärker, je schlechter die Verdichtung ist. Gärschädlinge wie Hefen und Schimmelpilze, die zuvor durch den Luftabschluss und den niedrigen pH-Wert unterdrückt wurden, werden nun aktiv. Der Futterstapel gärt nach und wird warm. Je trockener der Silomais, desto grösser ist das Risiko eines Sauerstoffeintrags.

Aus Versuchen der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (Honig ’86) stammen folgende Empfehlungen für eine ausreichende Verdichtung, die in kg Trockenmasse je m3 ausgedrückt wird (= Raumgewicht) und über die Bestimmung des Volumens (z. B. Abmessungen eines Blocks) und das Gewicht sowie den Trockenmassegehalt ermittelt wird.    

Eine ausreichende Verdichtung liegt vor, wenn folgende Werte erreicht werden:

  • Silomais 28% TS     230 kg TM/m3
  • Silomais 33% TS     270 kg TM/m3

 
In Praxissilagen wurden folgender Werte ermittelt (Verdichtung in 58 Praxissilagen mit Maissilagen >33% T):

 kgT/m3  Anzahl Silagen
 bis 200  4  7
 200 - 235 13 22
 236 - 270 26 45
 über 270  15 26


      

Ein Großteil der Silagen (74%) haben den geforderten Wert nicht erreicht, weil einige Grundlagen bei der Verdichtung nicht beachtet wurden:

  • Der Walzschlepper muss ausreichend Druck ausüben. Das zulässige Achsgewicht muss durch den Anbau von Gewichten voll ausgenutzt werden. Hier bieten Betonklotz, Frontlader oder Wasser in den Reifen gute Möglichkeiten. Das Gewicht soll auf eine angemessene Kontaktfläche zur Siliergutoberfläche konzentriert werden. In der Grafik wird deutlich (s. Abb1.), dass der ausgeübte Druck (bar) bei verschiedenen Schleppergrößen ähnlich ist, denn größere Schlepper haben breitere Reifen.
     
    Einen höheren Druck übt dagegen der Radlader aus. Bei ihm wird das Gewicht auf eine kleinere Kontaktfläche gebracht. Außerdem macht sich ein hoher Reifendruck positiv bemerkbar. Falsch sind Zwillingsreifen, weil sie den Druck vermindern. Sie werden häufig aus Sicherheitsgründen verwendet, um die Standsicherheit auf dem Siliergut, besonders bei Silos ohne Wände, zu verbessern.   
        

 
       

   

           

 

  • Geringe Schichtdicken sind kritisch für das Ergebnis. In den USA wurde eine Studie mit 168 Praxissilos durchgeführt. 81 davon waren Maissilagen (Muck und Holmes 99). Es wurden Daten sowohl bei der Befüllung als auch bzgl. der erzielten Verdichtung erhoben. Neben der Bedeutung des Schleppergewichtes wurde offensichtlich, wie wichtig eine geringe Schichtdicke für eine hohe Verdichtung ist. (s. Abb.2):
        
     
Abb. 2: Effekt der Walzschleppergewichte und verschiedener Schichtdicken des Siliergutes im Silo
auf die Verdichtung. 

 

  
   

Siliermittel gegen Nacherwärmung

Trotz guter Siliertechnik kann es besonders in den äußeren Schichten zu Nacherwärmung kommen. In der Liste der DLG geprüften Siliermittel (www.guetezeichen.de) werden unter der Kategorie 2 eine Reihe von Produkten aufgeführt, die ihre Wirksamkeit bei der Verminderung der Erwärmung bewiesen haben. Hier die wichtigsten Vertreter:

Propionsäure: Ein bewährtes Mittel ist in diesem Fall die Propionsäure mit einer Dosierung von 0,5%, d.h. 5 Liter je Tonne Siliergut. Sie wird häufig bei CCM und LKS eingesetzt, bei Maissilage seltener. Als Säure ist sie korrosiv und Aufwandmengen von 500 Litern je Stunde beim Häckseln (Annahme 100t Ernteleistung je Stunde) sind nicht leicht zu bewältigen.

Es gibt neben der Propionsäure auch weitere organische Säuren wie Ameisen- und Benzoesäure. Teilweise sind sie mit weiteren Wirkstoffen wie Nitrat, Nitrit oder Hexamethylentetramin kombiniert. Es sollte jedoch bedacht werden, dass nitrat- bzw. nitritbehandelte Silagen erst nach einer Wartezeit von 4-6 Wochen verfüttert werden dürfen.

 

Milchsäurebakterien: Milchsäurebakterien (Lactobacillus buchneri, z.B. SILA-BAC® Stabilizer) verhindern die Nacherwärmung wirkungsvoll. Durch ihre Umsetzungen bei der Silierung entstehen in den ersten Wochen Gärsäuren, u.a. Essigsäure in beachtlichen Mengen, die sowohl Hefen als auch Schimmel nachhaltig hemmen. Sie sind im Vergleich zu chemischen Mitteln kostengünstig und lassen sich auch leicht dosieren, weil sie weder korrosiv sind noch große Mengen aufgewendet werden müssen.

Da von der Nacherwärmung oftmals nur die oberen Schichten betroffen sind, kann das SILA-BAC® „Kombisystem“ empfohlen werden, bei dem in der unteren Schicht der Silage SILA-BAC® eingesetzt wird, das leistungsfähige Milchsäurebakterien zur Verbesserung des Futterwerts und Erhöhung der Futteraufnahme enthält und in der oberen Schicht (mindestens 60 cm Schichtdicke) SILA-BAC® Stabilizer, das Lactobacillus buchneri gegen Nacherwärmung enthält.

 

Harnstoff: Er wurde schon vor vielen Jahren dem Silomais zugesetzt. Ein Grund war die Erhöhung des Rohproteingehaltes. Allerdings liefert Harnstoff ausschließlich Stickstoff (N), ohne tatsächlich Protein zu enthalten.

Harnstoff wird mittlerweile wieder als Mittel gegen Nacherwärmung empfohlen, obwohl er nicht in der Liste der DLG geprüften Siliermittel aufgeführt ist. Es gibt Ergebnisse, die eine Wirkung belegen, jedoch auch Hinweise auf eine Inkonsistenz: so berichtet Spiekers (2000), dass er in mehreren Laborversuchen keine Wirkung finden konnte. Das lässt sich sicherlich auch durch den Wirkungsmechanismus erklären: Der Harnstoff wird im neutralen pH-Bereich in Ammoniak und CO2 gespalten, wobei der Ammoniak eine pilzhemmende Wirkung besitzt. Sobald jedoch der pH-Wert gesenkt wird, geht diese Wirkung verloren, d.h. der Harnstoff muss sofort zu Silierbeginn schnell gespalten werden, um die vorhandenen Hefen und Schimmel möglichst rasch abzutöten. Dazu muss der Harnstoff jedoch in gelöster Form vorliegen. Bei Einsatz von Harnstoff in Pulverform kann nicht immer von einer schnellen Auflösung bzw. guten Verteilung im Siliergut ausgegangen werden. Aufgelöst in Wasser (ca. 800 g je Liter) muss man mit 6,25 Liter Flüssigkeit je Tonne Silomais rechnen, d.h. bei einer Häckslerleistung von 100 t je Stunde sind das mehr als 600 Liter je Stunde, eine Menge, die nicht leicht zu bewältigen ist.

  

Schlussfolgerungen

Die Vermeidung der Nacherwärmung ist bei der Herstellung von Maissilagen ein entscheidender Faktor für die Nutzung dieser wertvollen Futterenergie. Eine gute Verdichtung (>230 kgTM/m3 bei 28% TM bzw. >270 kgTM/m3 bei 33% TM) ist entscheidend zur Verhinderung von Hefe- und Schimmelaktivität. Siliermitel als Vorbeugung, besonders im Randbereich, können sinnvoll eingesetzt werden. Hier bieten neue biologische Mittel eine kostengünstige Alternative.

 
 

Last Modified:4. Februar 2016
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